» Erinnerungen von Dieter und Irmgard Schrader aus Hannover «

Liebe Geschwister, gern kommen wir Ihrer Bitte nach, einen Bericht darüber zu geben, was uns Hannoveraner bewogen hat, von Mitte der 60-iger Jahre an in den kleinen Ort Bräunsdorf zu fahren, um dort zu "urlauben".

Jeder weiß, dass es zu DDR-Zeiten nicht einfach war, als Familie aus dem Westen in den "Arbeiter-und-Bauern-Staat" zu reisen. Die Hürden - insbesondere der Zwangsumtausch waren hoch. Hinzu kamen das Unverständnis unserer westdeutschen Freunde sowie das Mißtrauen der DDR-Grenzorgane. Dies alles hat uns aber nicht davon abgehalten, nach Bräunsdorf zu kommen. Warum? Durch eine kurze Begegnung im Jahre 1964 lernten wir Pfarrer Küttner kennen und schätzen. Er besaß die Gabe, die biblische Botschaft so zu sagen, dass wir fasziniert waren und beschlossen, das nächste Jahr wieder zu kommen. Und so ging es weiter, bis es möglich wurde, unsere Kinder mitzubringen und als Familie an den Rüsten teilzunehmen. Es waren für uns und unsere Kinder unvergessene Begegnungen mit Glaubensgeschwistern aus dem ganzen Land. Wir sind in einer Weise von Gott beschenkt worden, wie es im Westen nicht möglich gewesen wäre.

Nicht vergessen sind bis heute die Begegnungen mit den Bräunsdorfer Schwestern, den Familien Kühnert, Winkler und Heinzig, um nur einige zu nennen. Diese Kontakte haben auch die "Wende" überstanden. Auch hier stellt sich die Frage: warum? Weil die Grundlage unserer Freundschaft die von Pfarrer Küttner verkündete Botschaft vom Reich Gottes und seinen Ordnungen war. Sie ist tief in unser Herz gedrungen und hat auch Kontakte zu anderen Christen in Ost und West ermöglicht und vertieft. (z.B. dem Schniewindhaus, den Trinitatisschwestern).

Weiter hat uns als Familie aus der alten BRD fasziniert, wie eine christliche Gemeinde in einem unchristlichen Umfeld täglich ihren Glauben an Jesus Christus leben musste. Ob im Beruf, der Schule, beim Einkauf in der HO, oder in den ideologischen Auseinandersetzungen mit Parteigenossen. Dazu das Wissen um die Allgegenwart der Stasi. Heute wissen wir, wie gefährlich diese Gratwanderungen damals für die Gemeinde und auch für uns waren. "Ihr seid ja so harmlos" - O-Ton Pfr. Küttner.

Dank aber an Gott, dass ER uns vor Schlimmem bewahrt hat. ER hat auch zugelassen, dass die Zeit beendet wurde. Nach zweimaligen "Generaluntersuchungen" an der Grenze einschließlich Zurückweisung wegen "antisozialistischer Hetzschriften" (es war ein Rundbrief von Ludwig Schneider) wurden unsere Besuche in Bräunsdorf unmöglich. Dennoch wagten wir hin und wieder einen Kurzbesuch in Bräunsdorf, ohne behelligt zu werden.

Wir sind dankbar, dass wir unseren geistlichen Vater Pfr. Küttner und seine Frau bis zu ihrem Lebensende durch gelegentliche Besuche in Liebenau begleiten durften.

Als Fazit möchten wir Gott dafür danken, dass ER uns und unseren Kindern diese Begegnungen geschenkt hat. Sie haben unserem geistlichen Leben entscheidende Impulse gegeben.

Diesen Bericht habe ich auf einer Fahrt von Hannover nach Schönebeck/E. geschrieben. Als ich in Marienborn die ehemalige Grenze durchfuhr, erfüllte mich eine große Freude und Dankbarkeit gegen Gott, dass dieses Bollwerk gefallen ist.