» Erinnerungen an die Dienstzeit von Pfarrer Lüpfert «

Als Nachfolger von Pfarrer Hase wurde im Winter 1937 Pfarrer Lüpfert eingewiesen. Er kam aus der Gemeinde Neudorf im Erzgebirge, wo es oft schneereiche Winter gab und somit Schneeschuhe als Fortbewegungsmittel meist unentbehrlich waren. So sah man auch anfangs Pfarrer Lüpfert noch mit Skiern im Dorf unterwegs. Die Familie Lüpfert zog mit fünf Kindern ins Pfarrhaus ein, später kam noch ein sechstes hinzu.

Das Leben der Kirchgemeinde entfaltete sich in verschiedenen Kreisen. Jeden Sonntag 9 Uhr war Predigtgottesdienst, anschließend Kindergottesdienst mit einem Helferkreis. Die Pfarrfrau betreute den Frauendienst, und im Pfarrhaus versammelte sich die Junge Gemeinde. Einen Kirchenchor leitete Kantor Beer bis zu seinem Weggang 1945. Erfreulich war in damaliger Zeit die große Zahl der Kindergottesdienstbesucher. Sie wurden in sechs Gruppen mit je einer Helferin aufgeteilt. Am Ende schloss Pfarrer Lüpfert den Gottesdienst mit einer kurzen Zusammenfassung des Textes. Besonders eindrücklich und für manche noch in guter Erinnerung war der gründliche Konfirmandenunterricht. Durch diesen wurde das Fundament unseres christlichen Glaubens gelegt. Pfarrer Lüpfert ermahnte immer wieder, auf diesem Grund zu bleiben und darauf zu bauen. Wir mussten viel auswendig lernen, z.B. die 10 Gebote mit Erklärungen, die drei Glaubensartikel mit Erklärungen, aber auch etliche Lieder aus dem Gesangbuch. Regelmäßiger Gottesdienstbesuch der Konfirmanden war selbstverständlich, und fast alle Kinder unseres Dorfes ließen sich konfirmieren. Eine Konfirmandin von damals bezeugte kürzlich: „Ich erinnere mich noch gut an meine Konfirmation im Jahre 1939, als Pfarrer Lüpfert in der Predigt sagte: ‚Willst du heute der oder die Eine sein, die es jetzt festmacht: Ja, ich will dir, Herr Jesu, nachfolgen!'“

Da unser Dorf vor allem von der Landwirtschaft geprägt ist, hatte auch das Erntedankfest immer eine besondere Bedeutung. Erntegaben wurden gebracht, die Kirche geschmückt und Getreidegarben vor dem Altar aufgestellt. Viele Bauern kamen zum Erntedankgottesdienst. Die Kirche war meist voll.

In der Amtszeit von Pfarrer Lüpfert erfolgte auch die Restaurierung und Aufstellung des alten gotischen Altars in unserer Kirche. Besonders schmerzlich für unsere Gemeinde war es, als im Kriegsjahr 1942 die Anordnung kam, dass zwei Glocken unseres Geläuts für Kriegszwecke abgeliefert werden mussten. Es blieb nur noch die kleinste zurück.

Als Nachfolger von Kantor Beer wurde der Lehrer Eugen Klotz eingesetzt, der aber aus gesundheitlichen Gründen diesen Dienst nicht ausüben konnte. Daraufhin sprach Pfarrer Lüpfert Käte Fiedler an, die sich noch in der Ausbildung als Kantorkatechetin befand, und bat sie, die Orgel zu spielen und Religionsunterricht zu erteilen. Sie sagte zu und wurde dann 1947 von der Kirchgemeinde angestellt. Für die höheren Klassen erteilte Pfarrer Lüpfert den Religionsunterricht in der Schule. Im Winter musste der Gottesdienst oft in der Kirchschule stattfinden, da die Kirche nicht geheizt werden konnte.

Gegen Ende des Krieges kamen große Flüchtlingsströme aus Ostpreußen und Schlesien nach Sachsen. Auch in Bräunsdorf musste in den Häusern enger zusammengerückt werden, um möglichst viele heimatlos gewordene Menschen aufnehmen zu können. Das stellte auch die Kirchgemeinde vor neue Aufgaben. Die Flüchtlinge mussten unterstützt und eingegliedert werden, was aber auch eine Belebung und Bereicherung der Gemeinde zur Folge hatte.

Pfarrer Lüpfert versah seinen Dienst in unserer Gemeinde bis zum Jahr 1951. Er hat uns vorgelebt, was er gelehrt hatte.