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aus dem Bericht von Pfarrer Seifahrt in der „Neuen Sächsischen Kirchengalerie“

Über die Entstehung der ersten Kirche gibt es heute keine Angaben mehr. Sie brannte im Jahre 1640 ab, als schwedische Soldaten darin Quartier machten. Bei ihrem Abzug beauftragten sie den hiesigen Schulmeister, ihr Wachtfeuer zu löschen, was er jedoch versäumte. So brannten die Kirche und auch das Pfarrhaus ab.

Das Pfarrhaus wurde 1652 wieder aufgebaut, über die Kirche gibt es keine genauen Angaben. Es liegt allerdings die Vermutung nahe, dass sie 1662 fertiggestellt wurde, da in das Blech der Turmfahne drei Jahreszahlen eingeschnitten waren: 1662, 1787 und 1819. Die beiden letzten Jahreszahlen lassen auf Bau-arbeiten am Turm schließen. Bauarbeiten an der Kirche selbst gab es 1700 und 1764, als die Kirche auch ihre erste Orgel erhielt. Dazu musste die Decke um drei Ellen erhöht werden. Auch größere Fenster wurden eingebaut.

Seit dem Jahre 1820 scheint in baulicher Beziehung an dem alten Kirchengebäude nichts Wesentliches mehr getan worden zu sein. Sein Zustand ließ wenigstens darauf schließen. Das alte Kirchlein war allmählich baufällig geworden und machte in dieser Verfassung einen recht unwürdigen Eindruck. Da es auch betreffs seiner räumlichen Ausdehnung nicht mehr den jetzigen Bedürfnissen der Gemeinde entsprach, so musste es endlich im Jahre 1899 den Weg alles Irdischen gehen, um einem neuen Gotteshause Platz zu machen. Nachdem die Gemeinde am Sonntage Invocavit in einem recht zahlreich besuchten Gottesdienste in feierlicher Weise von ihrem bisherigen Kirchlein Abschied genommen und bewegten Herzens zum letzten Male das "Unsern Ausgang segne Gott" in ihm gesungen hatte, wurde Tags darauf, den 20. Februar, mit dem Abbruche begonnen, der schnell und ohne Unfall von statten ging.

Wenn wir nunmehr auf die neue Kirche zu sprechen kommen, so mag zuvörderst die Bemerkung Platz finden, dass betreffs Abtragung des alten Gotteshauses und Vornahme eines Kirchenneubaues der Kirchgemeinde und besonders der geordneten Vertretung derselben, dem Kirchenvorstande, der Vorwurf, dass man unbedacht und übereilt gehandelt habe, mit Recht keineswegs gemacht werden kann. Hat doch der Kirchenbau eine Vorgeschichte und zwar eine recht lange Vorgeschichte, eine allgemeine und eine besondere. Bereits im Jahre 1864 konnte man sich der Einsicht nicht verschließen, dass die Kirche nicht in dem unzulänglichen baulichen Zustande bleiben könne, in dem sie sich befand, und musste die Notwendigkeit, Wandel zu schaffen, zugeben. Es wurden demgemäß Beratungen gepflogen, welche bauliche Veränderungen an dem alten Gotteshause am Besten vorzunehmen seien. Dieselben führten zu dem Resultate, dass man beschloss, das alte Kirchengebäude einem Erweiterungs- und Reparaturbaue zu unterwerfen. Es schien, als ob man es sich ernstlich angelegen sein lasse, diesen Beschluss bald in die Tat umzusetzen. Der erste Schritt dazu wurde getan dadurch, dass man alsbald Kostenanschlag und Riss über den geplanten Bau anfertigen ließ. Diese Unterlagen wurden an die Behörden eingereicht und unter dem 7. September 1865 von der königlichen Kreisdirektion zu Zwickau genehmigt. Leider sind sie heute nicht mehr vorhanden, sodass es nicht möglich ist, sich ein Urteil zu bilden, was für eine Gestalt und für ein Aussehen die Kirche nach ihnen hat bekommen sollen.

Eins steht aber fest. Über dem vielen Nachdenken über das Bauen wurde das letztere selbst vergessen. Es unterblieb schließlich völlig, und die ganze Kirchenbauangelegenheit ruhte eine lange Reihe von Jahren vollständig. Erst im Jahre 1887 - und damit beginnt nun die besondere Vorgeschichte des Kirchenbaues - wurden die Verhandlungen über dieselbe wieder aufgenommen und diesmal, wenn auch nicht ohne einige kürzere und längere Unterbrechungen glücklich fortgeführt bis zur Inangriffnahme des Baues, der sich nun endlich nach schweren Kämpfen und Mühen als Frucht derselben ergeben hat. Es würde zu weit führen, wollten wir den Gang dieser zuweilen nicht gerade erquicklichen Vorberatungen eingehend schildern. Nur zweierlei sei über dieselben bemerkt. Einmal soll nicht verschwiegen bleiben, dass ein Missgriff betreffs der ersten Wahl des Architekten, der auch nicht unwesentliche pekuniäre Opfer für die Kirchgemeinde im Gefolge gehabt hat, sich der Lösung der Kirchenbaufrage in unliebsamer Weise hindernd in den Weg gestellt hat. Sodann muss nicht nur zugegeben, sondern ausdrücklich hervorgehoben werden, dass in der ganzen Bauangelegenheit die kirchlichen Behörden ein recht gewichtiges Wort mitgesprochen haben. Veranlasst gesehen haben sie sich hierzu teils durch den eigenen Wunsch, die Baufrage endlich ihrem Abschlusse zugeführt zu sehen, teils durch Petitionen aus der Gemeinde, durch die sie wiederholt um ihre Entscheidung angegangen wurden. Der Merkwürdigkeit wegen sei dem Leser die Nachricht nicht vorenthalten, dass eines dieser Gesuche, das sich auf das letzte Bauhindernis, die Platzfrage, die wir noch berühren werden, bezog, von Frauen des Orts abgefasst und an Se. Majestät den König direkt eingereicht worden war.

Was nun die Ausführung des Kirchenneubaues anlangt, so bezeichnet den ersten wichtigen Markstein in der Geschichte derselben der Tag der Grundsteinlegung. Dieser bedeutungsvolle Akt wurde vollzogen 1899, Montag, den 24. April, den Tag nach Königs Geburtstag, nachmittags 4 Uhr und ging bei klarem Himmel und freundlichem Frühlingswetter in feierlicher und weihevoller Weise vor sich.

Nach der Grundsteinlegung schritt der Bau zunächst rüstig vorwärts, erlitt aber dann, weil die einzelnen Gewerke einander nicht in wünschenswerter Weise in die Hände arbeiteten, eine recht unliebsame Unterbrechung von der Dauer einiger Wochen. Trotzdem waren die Bauarbeiten bis zum 24. Juli soweit gediehen, dass an diesem Tage das Heben des Schiffes vor sich gehen konnte. Dieses zweite wichtige Ereignis im Gange des Baues wurde wieder durch eine nach Feierabend veranstaltete angemessene, in einer Ansprache des Ortspfarrers, die aus der Höhe des Gebäudes herniedergehalten wurde, und in Gesang bestehende Feier ausgezeichnet, nach der man sich ebenfalls in ungezwungener Weise im Gasthofsaale zusammenfand, woselbst die Bauleute mit Speise und Trank bewirtet wurden.

Nicht gleichzeitig mit dem Schiffe konnte auch der Turm gehoben werden. Er war vielmehr erst nach Verlauf von ungefähr zwei Monaten soweit in die Höhe geführt, dass er nach oben abgeschlossen werden konnte. Am 28. September nachmittags wurde im Beisein des Kirchenvorstandes der vom Klempnermeister Richard Richter in Limbach angefertigte ungefähr einen Meter hohe vergoldete Turmkopf aufgesetzt.

Endlich war auch der Innenausbau soweit fortgeschritten, dass man daran denken konnte, den Termin der Weihe des neuen Kirchleins zu bestimmen. Als letzterer wurde, nachdem die Glockenweihe schon früher stattgefunden hatte, Montag, der 17. September 1900, festgesetzt und an diesem Tage auch die Weihe in einer festlichen, ganz der Bedeutung des Ereignisses würdigen Weise tatsächlich vorgenommen, wie nachstehende Schilderung bezeugen wird.

Nachdem am Tage vorher das Fest abends von 6-7 Uhr eine Stunde lang mit allen drei Glocken eingeläutet worden war und am Festtage selbst früh um 7 und um 8 Uhr wieder feierlicher Glockenklang die Gemeinde in weihevolle Stimmung versetzt hatte, sammelte man sich bereits von halb 9 Uhr ab bei der im oberen Ortsteile an dem Punkte, wo die Dorfstraße plötzlich von östlicher nach nördlicher Richtung umbiegt, gelegenen Thans'schen Restauration zum Festzuge.

Nach 9 Uhr setzte sich derselbe in Gang und bewegte sich bei herrlichem Wetter unter Glockengeläut und Choralblasen dorfabwärts dem Kirchplatze zu. Es war ein Zug von recht stattlicher Länge. Hinter der von ihren Lehrern geleiteten Schuljugend und den Ehrenjungfrauen, die auf prächtigem Kissen den künstlerisch ausgeführten Schlüssel zum neuen Gotteshause trugen, hatten sich in denselben eingereiht die hohen Behörden mit dem Vertreter des evangelisch-lutherischen Landes-Konsistoriums, dem Geheimrat Meusel aus Dresden, an ihrer Spitze.

In ihrer Mitte befand sich auch der Erbauer der Kirche, Architekt Reuter aus Dresden. Es folgten dann Geistliche in ziemlicher Anzahl, die Gemeindevertretungen von hier, Deputierte auswärtiger Kirchenvorstände und mehrere Vereine aus dem Orte mit fliegenden Fahnen. An diese schloss sich endlich noch eine große Menge Gemeindeglieder an und viel Volks, das von auswärts herbeigeströmt war.

Nach Ankunft auf dem Kirchplatze fand zunächst unter Gesang und Ansprachen in üblicher Weise vor dem Kirchenportale die Übergabe des Schlüssels statt, worauf der Ortspfarrer im Namen des dreieinigen Gottes die Pforten des neuen Heiligtums zum Einzuge in dasselbe öffnete. Gar bald war es bis auf den letzten Platz gefüllt, und ganze Reihen von Festgästen mussten sich damit begnügen, vor der geöffneten Tür stehend den Weihegottesdienst mit zu feiern. Letzterer begann mit dem Gesange einiger Liederwerke, der von Posaunenschall begleitet war. Hierauf betrat der Oberhirt der Diözese, Superintendent Fischer aus Chemnitz, den Altar, um nach längerer gehaltvoller, die Bedeutung der Feier trefflich schildernder Rede die Weihe des neuerbauten Gotteshauses zu vollziehen. Hieran schloss sich nach einem Dankliede, zu dem zum ersten Male die neue Orgel erbrauste, der Festgruß und Segenswunsch des hohen Kirchenregiments, wie ihn Geheimrat Meusel in gediegener Ansprache mit warmen Worten zum Ausdrucke brachte. Des Weiteren verlief der Festgottesdienst, der durch den Vortrag des vierstimmigen "Weihegesangs (nach Psalm 138, 2, 3)" von F. M. Gast noch besonders verschönt wurde, in der üblichen Weise. Die Festpredigt hielt der Ortspfarrer über die über dem Eingange des Gotteshauses mit vergoldeten Lettern in Stein gemeißelten Worte, die die Bestimmung des Hauses trefflich kennzeichnen: "Kommet her zu mir, die ihr mühselig und beladen, ich will euch erquicken" (Matth. 11, 28). Nach dem Gottesdienste blieb die Kirche zur Besichtigung bis gegen Abend geöffnet. Um 2 Uhr fand noch ein kurzer Taufgottesdienst statt, und um 6 Uhr abends wurde das Fest mit allen drei Glocken ausgeläutet. Den weltlichen Teil der Feier bildete ein um 1 Uhr beginnendes Festessen im Gasthofe, zu dem die Teilnehmer zahlreich sich einfanden. Dasselbe wurde durch eine große Zahl von Trinksprüchen ernsten und heiteren Inhalts angenehm gewürzt. Auch fehlten bei ihm nicht die fröhlichen Klänge der Musik.

Wie bereits angedeutet, nimmt die neue Kirche die Stelle der alten ein. Es war eine Zeit lang zweifelhaft, ob sie diesen Standort erhalten werde. Als man nämlich alle Vorfragen zum Baue glücklich gelöst glaubte, wurde dem Kirchenvorstande ein zum Rittergutsareale gehöriger, ungefähr zehn Minuten weiter dorfaufwärts als der alte gelegene Bauplatz schenkweise angeboten. Der Kirchenvorstand erkannte die edle Opferwilligkeit, von der dies Anerbieten zeugte, gern an, lehnte letzteres selbst aber dankend ab, hauptsächlich aus dem Grunde, weil er fürchtete, dass durch die Wahl des zur Verfügung gestellten Platzes die Baukosten nicht unwesentlich würden gesteigert werden.

Mit diesem Beschlusse waren die Bewohner des oberen Ortsteils, für die ja freilich, wenn der angeregte Wechsel mit dem Bauplatze vorgenommen worden wäre, der immerhin weite Weg nach der Kirche um ein Teil abgekürzt worden wäre, nicht einverstanden, machten vielmehr durch Einreichung von Petitionen an die Behörden die größten Anstrengungen, ihn umzustoßen. Daraufhin entschied endlich nach vorgenommener Lokalbesichtigung das Landes-Konsistorium durch Verfügung vom 27. August 1898 definitiv, dass "ganz überwiegende Gründe für die Wiedererrichtung der neuen Kirche zu Bräunsdorf an der seitherigen Stelle" sprächen und dieselbe demgemäß auf dem Platze der alten zu erbauen sei. Somit war als Bauplatz für die neue Kirche endgültig die Stelle der alten bestimmt. Man kann sich mit dieser Entscheidung gern einverstanden erklären. Ist doch der fragliche Platz wie geschaffen zur Erbauung einer Kirche auf ihm.

Das neuerrichtete Gotteshaus hat nicht die gleiche Richtung wie das alte, nimmt vielmehr eine Querstellung zu letzterem ein. Es zeigt, während die alte Kirche orientiert, d. h. von Westen nach Osten gerichtet war, von Süd nach Nord. Diese Abweichung von der Regel erklärt sich aus architektonischen Gründen. Bei westöstlicher Richtung würde das Bauwerk sich wenig vorteilhaft dargestellt haben. Die Kirche, wie sie dasteht, bietet von außen dem Beschauer in der Nähe wie in der Ferne ein äußerst einnehmendes Bild. In romanischer Bauart errichtet ist dieselbe in ihren einzelnen Teilen durchweg stilgemäß und harmonisch ausgeführt. Eine willkommene Abwechslung bringt in die geputzten Mauerflächen die rote Farbe der aus Rochlitzer Porphyr gearbeiteten Säulen, Fenster und Türgewände sowie der Verblendsteine in den Ecken des Gebäudes. Einen nicht minder günstigen und erhebenden Eindruck wie das Äußere macht auch das Innere des Gotteshauses. Es ist recht schmuck und schön.

Die Decke der Kirche ist mit einfachen, aber passenden und recht ansprechenden Malereien verziert. Dieselben bilden gleichsam ein großes Bild, als dessen Umrahmung die über den Emporen in gleicher Breite wie diese sich hinziehenden, einfach braun gestrichenen Flächen anzusehen sind, die nur durch die Querbalken unterbrochen sind. An diesen Rahmen schließt sich nach innen gleichsam als Bordüre, die das eigentliche Bild unmittelbar umfasst, ein ringsherumlaufender Kassettenstreifen an. Die einzelnen Kassetten, aus denen letzterer besteht, haben die Form eines Rechtecks und sind nicht schmucklos. Vielmehr ist auf dem Grunde jeder einzelnen je eine große Blume, eine Rose aufgemalt. Dasselbe ist der Fall bei der Decke über dem Altarplatz, die durchweg in Kassetten eingeteilt ist, die jedoch etwas kleiner sind als die ersterwähnten und quadratische Form haben. Die Bodenfläche der einzelnen wird ungefähr 50 cm im Geviert betragen. Rose und Passionsblume wechseln hier miteinander ab. Doch sehen wir uns das Deckengemälde selbst einmal an.

Es ist auf drei viereckige Felder verteilt. Im vordersten ist zu sehen auf kreisrundem goldfarbigen Hintergrunde ein in Lebensgröße dargestellter ruhender Hirsch mit lechzender Zunge, zu dessen beiden Seiten auf verschlungenen Spruchbändern als erklärende Inschrift in großen deutlichen Schriftzeichen das Psalmenwort zu lesen ist: "Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Ps. 42, 2". Diese ganze Darstellung ist von anmutigem Rosengeranke umzogen.

Das Gegenstück zu diesem vorderen Felde bildet das hintere, in dem an Stelle des Hirsches das Lamm in liegender Stellung zu sehen ist, mit der Umschrift: "Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Joh. 1, 29b". Die von diesen beiden Abteilungen begrenzte größere Mittelfläche, die von einem Querbalken durchzogen wird, ist von einem großen Dornenkranze umgeben, außerhalb dessen in den vier Ecken Kopf und Flügel je eines Engels sichtbar werden. Die Scheibe innerhalb des Kranzes ist frei gelassen. Das hat der Maler aus gutem Grunde getan. Die unbemalte Fläche soll in Gegenwirkung gegen die beiden andern, durch reiche Malereien belebten Teile einen beruhigenden Eindruck auf das Auge hervorrufen.

Was soll nun durch diese eben beschriebenen Deckenverzierungen zum Ausdrucke gebracht werden? Der nach frischem Labetrunke schmachtende Hirsch bedeutet, wie die beigegebene Inschrift schon andeutet, die nach Gott und seinem Heile verlangende Menschenseele. Bei wem und durch wen dies Heil zu finden sei, das sagt das Bild des mit der Fahne ausgerüsteten Lammes: Bei Jesu Christo, der sich als Opferlamm für der Menschheit Sünden dahingegeben und durch seinen Tod und seine Auferstehung die Erlösung vollbracht hat. Wie sauer ihm dies geworden, darauf soll der Dornenkranz hinweisen. Man sieht, die Deckenmalereien wollen und sollen sein eine anschauliche Predigt von dem Wichtigsten und Besten, das es für den Menschen gibt, von dem Heile in Christo.

Und nun verlassen wir für kurze Zeit das Innere der Kirche, um unsre Aufmerksamkeit einem hervorragendem Schmuckstücke am Äußern des Gebäudes zuzuwenden. Dasselbe hat in einer unmittelbar über der Eingangshalle angebrachten Wandnische, unter der die bereits angeführte vergoldete Inschrift zu lesen ist, seine Aufstellung gefunden und besteht in einer aus Sandstein gefertigten, circa 150 cm hohen Statue, in der man besonders an den beigegebenen Emblemen (Abzeichen), dem Stabe in der rechten Hand und dem Lamme auf dem linken Arme auf den ersten Blick ein Bild Christi als des guten Hirten erkennt. Die Figur ist ein vorzügliches Kunstwerk. In den überaus edlen Zügen des Gesichts spiegelt sich gar herrlich wieder die milde, treue Hirtenseele des Heilands. Der Schöpfer des Werkes ist der Bildhauer Ernst Paul in Dresden.

Einen würdigen Ersatz für ihre alten Glocken hat die Kirchgemeinde in ihrem rund 40 Zentner schweren neuen Geläute erhalten. So voll, so harmonisch rein und klar sendet dasselbe seinen wie Musik klingenden Schall hinein in den Ort und seine Häuser und hinaus ins Weite.

Die in schönem Es-dur-Dreiklang ertönenden Glocken stammen aus der altberühmten Gießerei von G. A. Jauck in Leipzig. Donnerstag, den 14. Juni 1900, hielten sie ihren Einzug in unsre Gemeinde. Das geschah, wie billig, nicht ohne Sang und Klang, sondern unter Veranstaltung einer angemessenen frohen Feier seitens des Ortes, die trotz des eingetretenen ungünstigen Wetters - nach einer längeren Periode schönster Witterung regnete es in Strömen - unter Beteiligung einer äußerst zahlreichen Festversammlung programmmäßig und in erhebender Weise verlief.

In langem Zuge zog man unter Vorantritt einer Musikkapelle um halb 10 Uhr vormittags vom Turnplatze aus den neuen Glocken entgegen, um sie einzuholen. An der nach Oberfrohna zu gelegenen Ortsgrenze wurden sie in feierlicher Weise in Empfang genommen und auf zwei mit Blumengewinden geschmückten Schleifwagen unter Choralblasen und dem Willkommgruße der älteren Schwestern das Dorf hinab nach dem Kirchplatze geleitet, woselbst sie durch Superintendent Fischer ihre Weihe empfingen.

An diese schloss sich unmittelbar der Aufzug der Glocken an. Während desselben fand im Saale des Gasthofs ein einfaches Festmahl statt. Am Nachmittage gegen 14 Uhr war der Aufzug ohne jeden Unfall beendigt. Zum ersten Male ließen die Glocken ihre Stimme erschallen. Tiefbewegt, in freudiger Erregung lauschte man zum ersten Male dem wunderbaren Klange des schönen neuen Geläuts.

Wir schließen den Bericht über den Kirchenbau, indem wir, soweit dies noch nicht geschehen ist, noch die Geschäfte und Handwerker namhaft machen, die bei demselben tätig gewesen sind oder Ausstattungsstücke geliefert haben. Die Maurer- und Zimmerarbeiten hat der Baumeister Christian Friedrich Ittner aus Mittelfrohna ausgeführt. Die Steinmetzarbeiten hat, soweit sie in Rochlitzer Porphyr hergestellt sind, Steinmetzmeister Theodor Schilling in Rochlitz, soweit sie in Elbsandstein gefertigt sind, die Steinmetzfirma Ernst Lehnert & Sohn in Flöha geliefert. Die Granitstufen zu den Freitreppen sind von der Firma Stillbach & John Nachfolger in Demitz in der Lausitz bezogen worden.

Was an Schmiedearbeiten erforderlich war, haben die beiden hiesigen Schmiedemeister Barth und Naumann gearbeitet. Die Dachdeckerarbeiten wurden dem Schieferdeckermeister Julius Nitzsche hier und die Klempnerarbeiten bis auf die vier Wasserspeier am Turm dem Klempnermeister Richard Richter in Limbach übertragen. Die Wasserspeier sind von E. Hahner in Dresden gefertigt. Mit der Lieferung der Tischlerarbeiten wurde in der Hauptsache der Tischlermeister Franz Delling in Kohren betraut. Nur soweit Kunsttischlerarbeiten in Frage kommen, stammen sie aus der Tischlerei von H. Fickler in Hainsberg bei Dresden. Einige Kinderbänke für das Orgelchor sind nachträglich beim Tischlermeister Enghardt hier bestellt worden.

Für die Schlosserarbeiten wurde der Schlossermeister Paul Michael in Oberfrohna, jetzt in Kappel zugezogen. Die Turmbekrönung jedoch, sowie die Blitzableitung ist in der Kunstschlosserei von Schubert und Lischke in Dresden hergestellt worden, während sämtliche Beleuchtungsgegenstände eine Arbeit der Metallwarenfabrik von F. G. Barthel in Chemnitz sind. Als Maler war der Dekorationsmaler August Mebert in Dresden engagiert worden, der sich seiner Aufgabe durchweg in völlig zufriedenstellender Weise entledigt hat. Die Heizungsanlage ist ein Werk des Ingenieurs H. Perthen in Dresden. Die sich recht gut bewährende Turmuhr ist hervorgegangen aus der Turmuhrenfabrik von Otto Fischer (Inhaber J. Hummel) in Meißen. Die Altar- und Kanzelbekleidungen endlich sind von der Paramentenstickerei von Bessert-Nettelbeck in Dresden und die Altargeräte, die sämtlich geschenkt worden sind, vom Juwelier J. Richter in Limbach bezogen worden. Sämtlichen Lieferanten kann das beste Lob gespendet werden.