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Erinnerungen von R. F. Edel

Meine Beziehung zur Bräunsdorfer Kirche erstreckt sich hauptsächlich auf die Amtszeit von Pfarrer Gerhard Küttner. Auch zur Amtszeit seiner drei Nachfolger war ich kurz in Bräunsdorf zu Besuch. So habe ich viele Segensstunden in der Kirche und im Gemeindesaal miterlebt, aber auch manche inneren und äußeren Krisen erfahren.

Zwei besondere Geschenke Gottes hatte diese Gemeinde: einen Sohn Pfarrer Küttners als Kantor, der gleichzeitig Jugendevangelist war, und die "Bräunsdorfer Schwestern", die neben dem Gebetsdienst und anderen Aufgaben die Gottesdienste mitgestalteten in großer Sorgfalt und Hingabe und Liebe. Das gab neben der Verkündigung den Gottesdiensten eine besondere Tiefendimension und lockte manchen Gast in die Bräunsdorfer Kirche. Dazu kam der Chor mit seinem Kantor. Hier konnte man auch Gesänge aus anderen Lagern der Christenheit hören.

In Bräunsdorf konnte man sogar im Haus Gottes wohnen, nämlich im Kirchturm. Einige Male konnte ich zusammen mit anderen Brüdern anläßlich von Tagungen dort übernachten. So entstand eine besondere Bruderschaft.

Einmal hatte Pfarrer Küttner einen Freundeskreis eingeladen aus verschiedenen Lagern der Christenheit und verschiedenen Ländern. Es ging um seine letzte Auslegung der Offenbarung. Wir Brüder wohnten wieder im Kirchturm, die Schwestern im Pfarrhaus. Wie bei der letzten Offenbarungsauslegung von Superintendent Paul Riedinger bei den Marienschwestern war nur ein kleiner Kreis eingeladen, bei dem man offen und ungeschützt reden konnte und vieles nicht erst im einzelnen erklären musste. So waren die Auslegungen sehr konzentriert und von dem Geist der Prophetie erfüllt.

Ich nahm das Ganze auf Tonbänder auf, die aber Pfarrer Küttner mir am Schluss abnahm und, da sie auch Politisches enthielten, aus Vorsicht vor den Behörden versteckte oder vergrub. War er doch schon einmal im Gefängnis gewesen. Erst nach langer Zeit bekam ich die zwischenzeitlich verschollenen Bänder zurück, als ich ihn darauf hinwies, dass das Bandmaterial mein Eigentum ist und nur die Aufnahmen sein Eigentum. Gleichzeitig erhielt ich von ihm die Erlaubnis, nach meinem Gutdünken das Ganze zu veröffentlichen, was ich dann auch tat.

Jede Segensstätte Gottes ist dem "Durcheinanderwerfer" ein Dorn im Auge. Da wir alle "durch viel Leid zur Herrlichkeit Gottes eingehen müssen", lässt Gott solche Krisen und Anfechtungen über Gemeinden und ihre Hirten zur Läuterung und Prüfung der Liebe zu. Das habe ich nicht nur in unserer Gemeinde sondern auch in Bräunsdorf miterlebt. Das hat freilich nicht das äußere Kirchengebäude, sondern die Menschen der inneren Kirche getroffen. All das sieht man in den Kirchenfenstern symbolisiert. Aber auch die große Verheißung, dass "denen, die Gott lieben alle Dinge zum besten dienen müssen".