» Vorwort «

Am 17. September 1900 wurde die Kirche "Zum guten Hirten" in Bräunsdorf eingeweiht. Da ist es nur selbstverständlich, dass die Gemeinde feiert, dass wir uns erinnern - in Dankbarkeit und Demut. Schließlich ist so ein Tag Gelegenheit zum Rückblick auf die lange Geschichte unseres Dorfes und vor allem auf die Ereignisse beim Kirchenbau vor 100 Jahren, aber auch auf all das, was unsere Kirche seither erlebt hat.

Wir haben viel Grund zur Dankbarkeit. Kirche und Dorf sind im Krieg bewahrt geblieben, wenn man davon absieht, dass zwei unserer Glocken abgegeben werden mussten und noch immer nicht ersetzt werden konnten. Und vor allem - es war immer eine Gemeinde da, die sich in Liebe und Opferbereitschaft um ihr Gotteshaus gemüht hat. Dahinter stand nicht nur Treue zur Überlieferung, zur alten Tradition, dass die Kirche zum Dorf gehört. Vielmehr stand das Entscheidende in der Mitte, das, wozu überhaupt Kirchen gebaut werden: Gottes Wort und die Sakramente, Taufe und Abendmahl, Anbetung und Fürbitte. Ja, Gott war in unserer Mitte mit Wort und Sakrament, das ist der wichtigste Grund zur Dankbarkeit bei solch einem Jubiläum. Es ist aber auch Grund zum Bekenntnis unserer Schuld. Schließlich haben wir Menschen dem heiligen Gott in dieser Zeit nicht nur Ehre sondern immer wieder auch Schande gemacht durch Ungehorsam und Zweifel, durch Streit und Lieblosigkeit. Gerade auch zum 100. Geburtstag unserer Kirche gilt das Wort des Propheten: "Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind." (Klagel. 3, 22)

Was wollen nun die nachfolgenden Seiten bieten: Zunächst einen Bericht über die Umstände, die damals zum Bau einer neuen Kirche geführt haben, dazu einen Auszug aus dem, was in der "Neuen Sächsischen Kirchengalerie" über Bau und Einweihung zu lesen ist. Wichtiger als die Geschichte des Bauwerkes ist aber das, was die Menschen in ihm und mit ihm erlebt haben. Das würde gewiss den Rahmen einer solchen Festschrift sprengen. Wir haben deshalb nur einige von denen, die mit der Bräunsdorfer Kirche besondere Glaubenserfahrungen verbinden, gebeten, einen kurzen Beitrag zu liefern. Ihnen sei an dieser Stelle auch besonders herzlich gedankt. Das Wichtigste aber ist, dass unsere Kirche ein Ort bleibt, an dem der lebendige Gott unter uns wirkt, ein Ort, an dem sein Volk zubereitet und gestärkt wird für die Ewigkeit. Dafür bitten wir den dreieinigen Gott um seinen Segen.

Pfarrer Dr. Jacob